Renault Twingo Serie 1 Phase 2: die kleine Renault wird erwachsener
Zwischen 1998 und 2000 tritt die erste Renault Twingo in eine wichtige Zwischenphase ein. Sie behält ihre Monobox-Silhouette, die verschiebbare Rückbank und den sofort erkennbaren Ausdruck, bekommt aber überarbeitete Stoßfänger, ein erneuertes Armaturenbrett und einen reiferen technischen Auftritt.
Diese Phase ist nicht die spektakulärste der Modellgeschichte. Gerade deshalb ist sie interessant: Sie zeigt, wie Renault einen sehr originellen Kleinwagen weiterentwickelt, ohne ihn zu verwässern.
Kurze Einordnung: Die Phase 2 gehört zur ersten Twingo-Generation und deckt im europäischen Rhythmus ungefähr die Jahre 1998 bis 2000 ab. Sie behält die 3,43 m lange Monobox-Karosserie, den Frontantrieb und den modularen Innenraum bei, bringt aber überarbeitete Stoßfänger, ein erneuertes Armaturenbrett und einen moderneren Alltagseindruck. Mechanisch bleibt der 1,2-Liter-Benziner im Mittelpunkt, vor allem der D7F mit 1.149 cm3 und rund 60 PS.

1998: eine Überarbeitung ohne Verrat am Grundgedanken
Als die Twingo der ersten Generation 1998 in ihre Phase 2 eintritt, ist Renault nicht gezwungen, die Idee neu zu erfinden. Das Auto ist bereits bekannt, verbreitet und sofort erkennbar. Die Aufgabe ist daher heikler, als sie scheint: genug ändern, damit die kleine Renault in einem anspruchsvolleren Markt weiterbesteht, ohne jene Einfachheit zu verlieren, die sie seit 1993 verständlich gemacht hat.
Die äußere Form bleibt deshalb sehr nah an der ersten Twingo. Das kurze vordere Ende, die hohe Kabine, die großen Glasflächen und die bis an die Ecken gerückten Räder bleiben erhalten. Die Stoßfänger werden geglättet und besser in die Karosserie integriert, die Lichtsignatur wirkt sauberer, und das Auto erscheint weniger roh als die ersten Jahrgänge. Es wird nicht bürgerlich, aber es wirkt fertiger.
Diese Zurückhaltung ist wichtig. Ein stärkeres Facelift hätte den Twingo in Richtung eines gewöhnlichen Kleinwagens ziehen können. Die Phase 2 korrigiert stattdessen das Alter, ohne das Gesicht zu löschen. Man erkennt noch immer denselben kompakten Monospace, nur mit mehr Sorgfalt in den Details und einer Präsentation, die besser zum Ende der 1990er Jahre passt.
Ein Innenraum, der erwachsener wird und trotzdem beweglich bleibt
Der wichtigste Fortschritt liegt nicht allein in der Karosserie. Im Innenraum wird die Phase 2 ernster, ohne ihre einfache Logik aufzugeben. Das Armaturenbrett wird neu gezeichnet, die Bedienung wirkt klarer und die passive Sicherheit nimmt einen sichtbareren Platz ein. Die Geschwindigkeit bleibt wie bei den ersten Twingo zentral angezeigt, denn Renault bewahrt eines der sofort erkennbaren Merkmale des Modells.
Was den Wert des Autos ausmacht, bleibt dennoch gleich. Die Rückbank lässt sich verschieben, der Innenraum bleibt wandelbar, und die kurze Außenlänge verbirgt weiterhin eine erstaunlich nutzbare Kabine. Bei einem 3,43 m langen Auto zählt diese Raumintelligenz mehr als spektakuläre Ausstattung. Sie erlaubt Gepäck, zwei Erwachsene im Fond, kurze Reisen zu zweit oder den Einsatz als wirklich praktisches kleines Alltagsauto.
Die Phase 2 gibt einem bereits sehr praktischen Auto also mehr Haltung. Sie versucht nicht, luxuriös zu werden. Sie vermittelt nur den Eindruck, dass die Twingo gelernt hat, ihre Stärken besser zu zeigen: kurz außen, geräumig innen, leicht zu parken und weniger schlicht, als es die ersten Baujahre vermuten ließen.
Der D7F: ein kleiner Motor, passend zum Auto
Unter der kurzen Haube zählt vor allem die allmähliche Reifung der Mechanik. Der ältere 1,2-Liter C3G aus den ersten Jahren hatte den Vorteil der Einfachheit, stammte aber aus einer anderen Zeit. Mit dem D7F, der ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die Twingo stärker prägt, bekommt das Auto einen moderneren kleinen Vierzylinder: 1.149 cm3, acht Ventile und rund 60 PS.
Diese Zahl erzählt nicht von Sportlichkeit, sondern von Angemessenheit. Die Phase 2 bleibt leicht, übersichtlich und sparsam. Der D7F passt zu diesem Programm, weil er glatter, ruhiger und besser auf den täglichen Gebrauch abgestimmt wirkt. Er verlangt nicht, dass man aus der Twingo etwas macht, was sie nicht ist. Er gibt ihr nur die nötige Gelassenheit für Stadtverkehr, Ringstraßen und kleine Überlandfahrten.
Gerade darin liegt ein Teil ihres heutigen Interesses. Eine Twingo Phase 2 ist technisch nicht einschüchternd. Sie ist einfach genug, um verstanden und gepflegt zu werden, aber nicht mehr so früh und roh wie die ersten Ausführungen. Für viele Liebhaber kleiner Alltagsklassiker ist genau dieser Zwischenstand der angenehmste: noch sehr Twingo, aber schon etwas besser geschützt gegen die Schwächen der frühen Serie.
Warum die Phase 2 heute eine gute Lesart der ersten Twingo bietet
Heute lässt sich diese Ausführung als Moment der Balance lesen. Die Phase 1 trägt die Überraschung des Anfangs. Die späteren Phasen führen die Modellreihe weiter bis in die 2000er Jahre. Die Phase 2 steht dazwischen: nahe genug am ursprünglichen Entwurf, um seine Frische zu bewahren, und weit genug entwickelt, um im realen Gebrauch beruhigender zu wirken.
Man sieht das besonders an den Autos, die noch regelmäßig fahren. Sie sind selten makellos, aber oft sehr ehrlich. Ein gut erhaltener Twingo dieser Jahre zeigt noch den Geist der ersten Serie: helle Kabine, direkte Bedienung, kurzer Wendekreis, geringe Kosten und ein Design, das ohne Aggressivität erkennbar bleibt. Er erinnert daran, dass ein kleines Auto nicht ärmlich wirken muss, wenn seine Lösung präzise ist.
Die Phase 2 ist deshalb kein Nebenkapitel. Sie ist der Moment, in dem die Twingo beginnt, ihre eigene Dauer zu organisieren. Renault korrigiert, beruhigt und aktualisiert, ohne zu übertreiben. Genau diese Maßnahme macht sie heute interessant: eine kleine Renault, die den ersten Schwung behalten hat, aber bereits erwachsener fährt, wirkt und altert.
Diese Phase lässt sich am besten zwischen der allgemeinen Geschichte des Modells und einem konkreten Auto lesen. Weitere Anhaltspunkte bieten die Geschichte des Renault Twingo, unser Twingo Helios von 1999 und die Geschichte von Renault.
Quellen
- The Originals Renault Museum, Twingo
- Motor1, Renault Twingo (1993-2007)
- Melun Retro Passion, Twingo
- twingo.guide, Know your Twingo
- Wikimedia Commons: File:Renault Twingo (I, Facelift) - Frontansicht, 31. Juli 2012, Heiligenhaus.jpg
- Wikimedia Commons: File:Renault Twingo (I, Facelift) - Heckansicht, 31. Juli 2012, Heiligenhaus.jpg
- Wikimedia Commons: File:Twingo 1 Phase 2 Liegefläche.JPG