Mercedes-Benz SLK R170, der erste kompakte Mercedes-Roadster mit Klappdach
Stationen: Studien von 1994, Bauzeit von 1996 bis 2004, vario-roof in 25 Sekunden, 348 Liter Kofferraum geschlossen und 145 Liter offen, 311.222 verkaufte Fahrzeuge.
Die SLK R170 nimmt in der juengeren Geschichte von Mercedes-Benz einen sehr genauen Platz ein. Sie kam 1996 in Serie auf den Markt, blieb bis 2004 im Programm und war nicht nur der erste Wagen mit dem Namen SLK, sondern auch das Modell, das den kompakten Roadster mit Klappdach vom Messeobjekt zum alltaeglichen Bild machte. Ihr Erfolg beruhte weniger auf Mode als auf einem sehr stimmigen Lastenheft.
Mercedes wollte nicht einfach nur wieder ein kleines Cabriolet im Programm haben. Die Marke suchte ein Auto, das sich geschlossen wie ein ernsthaft gemachtes kleines Coupe fahren liess und sich geoeffnet nutzen liess, ohne den Alltagswert zu verlieren. Genau dieses konkrete Versprechen erklaert mehr als die Form allein, warum die R170 bis heute die praegende Generation der SLK-Familie geblieben ist.
1994-1996: eine Studie dicht an der Serie
Vor dem Marktstart zeigte Mercedes zuerst im Fruehjahr 1994 eine sehr weit entwickelte Studie und dann im Oktober 1994 auf dem Pariser Salon eine zweite Ausfuehrung. Diese Pariser Version legte das Bild des spaeteren Serienwagens im Grunde schon fest: kurze Proportionen, ein sauber abgeschnittenes Heck, zwei Buegel hinter den Sitzen und vor allem das vario-roof aus Stahl, das in 25 Sekunden im Kofferraum verschwand.
Der entscheidende Punkt war nicht nur die Eleganz des Mechanismus. Der Kofferraum behielt noch genug Platz fuer Gepaeck, und genau das veraenderte den Charakter des Autos. Der SLK versprach kein reines Schoenwetter-Cabrio. Er kuendigte ein vollstaendigeres Konzept an, das zwischen geschlossenem und offenem Einsatz wechseln konnte, ohne zum blossen Schaustueck zu werden.
Auch der Name SLK beschrieb die Absicht bereits sehr genau: Sportlich, Leicht, Kurz. Bei Mercedes bedeutete das jedoch nicht karg oder spartanisch. Die kuenftige R170 sollte trotz ihres viel kompakteren Formats gegenueber einem SL eine echte Mercedes-Benz bleiben, also bei Sicherheit, Verarbeitung und Langstreckentauglichkeit keine Nebenrolle spielen.
Ein kleiner Roadster, aber konstruiert wie ein echter Mercedes
Nach der Markteinfuehrung blieb diese Logik sehr klar ablesbar. Zwei Sitze, Hinterradantrieb, kurzer Radstand, fest stehende Ueberrollbuegel und ein Dach aus Stahl: Alles ist auf einen einfachen, glaubwuerdigen Gebrauch hin angelegt. Geschlossen wirkt der Wagen wie ein kompaktes Coupe, offen bietet er das direkte Roadster-Gefuehl, ohne die groesseren Kompromisse eines Stoffdachs mitzunehmen.
Die Struktur war sorgfaeltig ausgelegt. Mercedes verwies auf dickwandige Stahlbuegel, verstaerkte A-Saeulen, Frontairbags, Gurtstraffer und auf Wunsch Seitenairbags. Hinzu kam vorne eine ellipsoid geformte Spritzwand, die bei einem Frontalaufprall den Fussraum besser schuetzen sollte. Selbst bei einem Freizeitauto wollte die Marke keine Leichtbau-Idee im billigen Sinn des Wortes.
Wichtig war auch die Arbeit an Gewicht und Nutzwert. Einzelne Bauteile bestanden aus Magnesium, die Grundversion lag bei rund 1.270 Kilogramm, der SLK 200 erreichte einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,33 und der Kofferraum bot 348 Liter mit geschlossenem Dach sowie noch 145 Liter offen. Fuer die spaeten 1990er Jahre war das eine bemerkenswert ausgewogene Kombination: kompakt, aber nicht unpraktisch fuer ein Wochenende oder eine echte Ausfahrt.
SLK 200, 230 Kompressor und das Facelift von 2000
Zum Start in Deutschland bestand die Palette aus dem SLK 200 mit 136 PS und vor allem dem SLK 230 Kompressor mit 193 PS. Gerade dieser gab dem Modell seinen ueberzeugendsten Ton. Mit 280 Nm, die frueh anlagen, passte er sehr gut zum Charakter des Wagens: druckvolle Zwischenspurts, kompaktes Format und ein Fahrgefuehl, das eher vom Drehmoment als von demonstrativer Schaerfe lebte.
Die Verkaufszahlen bestaetigen das. Ueber die gesamte Laufzeit der R170 setzte Mercedes 311.222 Fahrzeuge ab, und das erfolgreichste Einzelmodell war der fruehe SLK 230 Kompressor mit 113.520 gebauten Exemplaren. Der SLK blieb also kein schickes Nischenauto. Er fand ein ausreichend breites Publikum, um fast acht Jahre lang glaubwuerdig im Programm zu bleiben.
Das Facelift vom Fruehjahr 2000 staerkte die Formel weiter. Die Linien wurden etwas gespannter, Stossfaenger und Seitenschweller aenderten sich, ESP, das Sechsgang-Schaltgetriebe und der Tempomat SPEEDTRONIC gehoerten nun zur Serienausstattung. Spaeter kamen der SLK 320 V6 und der SLK 32 AMG hinzu. Zum Schluss schloss die Final Edition ein Kapitel ab, das laengst mehr war als ein Versuch.
Warum die R170 bis heute ihren Platz behaelt
Die R170 ist weder die staerkste noch die feinste aller SLK-Generationen. Fuer einen kompromisslosen Sportroadster sucht man anderswo. Aber sie ist die klarste Generation in ihrer Ursprungsidee. Das Design bleibt einfach, das kompakte Format funktioniert auf echten Strassen noch immer gut, und der zweifarbige Innenraum mit seinen gerahmten Instrumenten erzaehlt die spaeten 1990er Jahre bei Mercedes sehr anschaulich.
Sie ist ausserdem die SLK, aus der sich alle spaeteren Generationen erklaeren. Ohne diese erste Baureihe gaebe es keine reifere R171 und keine R172, die spaeter zur SLC wurde. Wer die R170 in der ganzen Linie verorten will, kann unsere Seite zur Geschichte der Mercedes-Benz SLK lesen. Und wer sehen moechte, wie so ein Modell in einem wirklichen Familiengebrauch aussieht, findet das auf unserer Seite ueber unseren SLK 230 Kompressor von 1996 im Golf von Saint-Tropez.
Am Ende hat die erste SLK vor allem eine einfache, aber tragfaehige Idee hinterlassen: Ein kompakter Roadster bleibt dann begehrenswert, wenn er seinen Fahrer nicht staendig zwischen Vergnuegen, Schutz und wirklichem Gebrauch waehlen laesst. Genau darin traf die R170 den richtigen Punkt, und deshalb ist sie bis heute interessant.